Stromengpass durch Atomabschaltung?
Nachricht vom 7.9.2011Kaltreserven sollen bei möglichen Engpässen in die Stromversorgung sichern, wenn die Atomkraft schwindet. Nach Ansicht der Bundesnetzagentur werden diese Reserven aber nicht dafür sorgen, dass sich die Stromrechnungen der Verbraucher erhöhen, die die Stuttgarter Nachrichten berichten. Falls es nach dem Abschalten von Neckarwestheim und Philippsburg zu Stromengpässen kommen sollte, wird das Großkraftwerk Mannheim für ganz Süddeutschland Energie liefern.
Verbraucher spüren Zusatzkosten nur minimal
„Das geht im Grundrauschen unter“, ließ sich der Präsident des Großkraftwerks Mannheim (GKM), Matthias Kurth, vernehmen. Im Falle von Stromengpässen durch die Abschaltung der beiden Atommeiler Neckarwestheim und Philippsburg, wird die Steinkohleverbrennung Stromausfälle an Wintertagen mit zu geringer Einspeisung erneuerbarer Energien verhindern. Die unverzichtbare Notstromreserve werden die Verbraucher zahlen müssen, aber „die spüren die Kosten nur ganz minimal“, erklärte Kurth optimistisch. Bei einem Kurzbesuch am Neubau des Blocks 9 betonte Kurth, dass sich Erzeuger GKM und Netzbetreiber EnBW in den kommenden Wochen darüber einigen werden müssen, wie die Kostenverteilung der Unternehmen für einen Stand-by-Betrieb des alten Blocks 3 und den Stromtransport sein wird. Doch Kurth meint es gut: „Der Endkunde wird lediglich mit Bruchteilen von Cents belastet werden.“
Zur Not Atomstrom über 3 Ecken
Laut Netzagentur erhält Mannheim nun eine Schlüsselrolle bei der Versorgung im Ernstfall. Privatkunden und Industrie können neben dem GKM auch auf die Kraftwerke Mainz-Wiesbaden und auf das Kraftwerk Ensdorf im Saarland beziehen, wenn der Strom knapp wird. Zusammen schaffen sie eine thermische Reservekapazität von 836 Megawatt. Zum Sicherheits-Szenario gehört aber auch die Mineralölraffinerie im Karlsruher Rheinhafen. Als Quelle steuert sie zehn Megawatt Leistung zum Sicherheits-Szenario bei. Sollte diese Menge letztlich doch nicht ausreichen, um Versorgungslücken abzudecken, sollen laut Kurth österreichische Versorger angezapft werden – obwohl auch diese Atomstrom aus Nachbarländern beziehen. Zum Ende machte der Regulierungspräsident aber deutlich, dass ein Totalausfall über einen längeren Zeitraum aufgrund der Sicherheitsreserven und Verbundsysteme seiner Meinung nach ausgeschlossen sei.

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