Warum jetzt Stromanbieter wechseln?
Beim Vergleich des aktuellen Standes der Strompreise für deutsche Haushaltskunden mit dem Stand der Strompreise vor fünf Jahren ist festzuhalten, dass die Preise für Strom für die deutschen Haushaltskunden um durchschnittlich fünf Cent von 20,25 auf 25,28 Cent je Kilowattstunde gestiegen sind. Das entspricht einem Preisanstieg von nahezu 20 Prozent, verteilt über vier Jahre.
Der hauptsächliche Grund für den Kostenanstieg ist die Anhebung der Netznutzungsentgelte. Die Entgelte werden von den Stromversorgern an die Netzbetreiber entrichtet. Im Gegenzug erlauben diese den Stromversorgern, den elektrischen Strom durch das Netz zu den Endverbrauchern zu liefern. Bei den Haushaltskunden machen die Netznutzungsentgelte ungefähr ein Viertel des Strompreises aus.
Strompreisbestandteile erhöhen Kosten
Weitere Faktoren, die den Preis bestimmen, sind die Kosten für die Stromerzeugung, die Vertriebskosten, die Gebühren, Abgaben und Konzessionen, die Kosten durch den Emissionshandel sowie die Gewinne der Konzerne.
Auf die meisten Strompreisbestandteile haben die Konzerne keinen Einfluss. Lediglich die Vertriebskosten sowie die Strombeschaffungskosten können von den Stromversorgern beeinflusst werden. Die restlichen anfallenden Kosten werden von den Stromversorgern an die entsprechenden Behörden, Institutionen und Netzbetreiber weitergeleitet. Dennoch erwirtschaften die Energiekonzerne in jedem Jahr Gewinne in Milliardenhöhe.
Haushaltskunden haben großen Anteil an Konzerngewinnen
Diese werden vor allem von den Verbrauchern finanziert. Im Durchschnitt verkaufen die Versorger rund 23 Prozent des Stroms an Haushaltskunden, 41 Prozent der Lieferungen gehen hingegen an die Industrie. Industriekunden zählen in der Regel zu Sondervertragskunden, bei denen die Strompreise mit dem Lieferanten außertariflich verhandelt werden. Haushaltskunden sind dagegen meist an die Tarifvereinbarungen gebunden, so dass sie meist mehr Geld für ihren Strom bezahlen müssen als Sondervertragskunden.
Demzufolge tragen sie entscheidend zu den Konzerngewinnen bei. Wenn sich jedoch eine Vielzahl der Haushaltskunden zu einem Stromanbieterwechsel entschließt, werden die Stromkonzerne unter Druck gesetzt, die Preise für die Kunden gleichermaßen fair und angemessen zu gestalten. Je mehr Verbraucher diesen Schritt gehen, desto eher sind die Stromversorger gezwungen, ihre Preispolitik zu überdenken und umzustellen.
Wechselbereitschaft der Verbraucher nimmt zu
Allerdings ist nicht nur der Strompreis für eine wachsende Wechselbereitschaft der Verbraucher verantwortlich. Neben Umzügen sorgt auch die Unzufriedenheit der Stromkunden mit ihrem Versorger dafür, dass mehr als die Hälfte der deutschen Stromkunden einen Stromanbieterwechsel in Erwägung zieht. Auch das wachsende Interesse an Ökostrom in Zusammenhang mit dem Bedürfnis, umweltschonende Energie zu verbrauchen, sorgt dafür, dass sich mehr als 15 Prozent der Verbraucher einen Wechsel zu einem Ökostromanbieter vorstellen können.
Trotz des großen Interesses an einem Stromanbieterwechsel ist die Zahl der tatsächlichen wechselnden Verbraucher als eher gering einzustufen. Im Jahr 2010 entschieden sich lediglich sieben Prozent der deutschen Haushaltskunden für einen anderen Versorger. Viele haben Bedenken, die aus der Angst vor unseriösen Versorgern herrühren. Neben der Tatsache, dass andere Faktoren, wie das gesteigerte Umweltbewusstsein oder die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Stromanbieter eine wachsende Rolle bei einem Versorgerwechsel spielen, sind sich viele Verbraucher des Einsparpotenzials nicht bewusst.
Wechselfrist auf drei Wochen begrenzt
Dennoch kann der Preis als Grund für einen Wechsel nicht außer Acht gelassen werden. Ausgehend von einem europaweiten Vergleich der Strompreise werden die deutschen Haushaltskunden am zweitstärksten belastet. Lediglich die Verbraucher in Dänemark müssen mit fast 30 Cent je Kilowattstunde Strom deutlich mehr bezahlen. Die niedrigsten Strompreise werden hingegen in Bosnien und Herzegowina mit ca. 7,47 Cent je Kilowattstunde und in Bulgarien mit ungefähr 8,26 Cent je Kilowattstunde bezahlt.
Um die Verbraucher stärker vor zu hohen Stromkosten zu schützen und Ihnen den Wechsel zu einem alternativen Versorger zu erleichtern, tritt am ersten April 2011 eine Regelung in Kraft, die festlegt, dass ein Stromanbieterwechsel, genauso wie ein Gasversorgerwechsel, nicht länger als drei Wochen dauern darf. Die Versorger müssen demnach gewährleisten, dass der Anbieterwechsel innerhalb dieser Frist vollzogen wird. Dadurch reduziert sich nicht nur der zeitliche Rahmen spürbar, sondern es erfolgt eine Vereinfachung des Wechsels.
Eigeninitiative ist gefragt, denn Strombedarf steigt
Da das Angebot von der Nachfrage bestimmt wird und für die kommenden Jahre nicht zu erwarten ist, dass der Bedarf an elektrischer Energie in Deutschland sinkt, müssen die Verbraucher reagieren und selbstständig dazu beitragen, eine Kostenregulierung bei den Strompreisen vorzunehmen.
Entscheidend ist: Je mehr Stromkunden den teuren Stromversorger wechseln, desto eher können auf dem Strommarkt faire Preise erreicht werden. Erhöhen die Verbraucher den Druck auf die Konzerne, erhöhen diese durch den Preiskampf den Wettbewerbsdruck aufeinander!